HIB; Oppositionsfraktionen kritisieren Afghanistan-Strategie der Bundesregierung
Ausschuss fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - 27.01.2010
Berlin: (hib/JOH/LEU) Die PlĂ€ne der Bundesregierung fĂŒr eine neue Strategie in Afghanistan stoĂen bei den Oppositionsfraktionen teilweise auf Kritik. So zeigte sich die SPD-Fraktion am Mittwochmorgen im Ausschuss fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verĂ€rgert darĂŒber, dass die Bundesregierung das Konzept als âneuâ bezeichne. Schon den VorgĂ€ngerregierungen sei klar gewesen, dass es in Afghanistan auch um zivilen Aufbau gehen muss und ressortĂŒbergreifendes Handeln notwendig ist. âJetzt so zu tun, als sei dies eine neue Erfindung, ist hanebĂŒchenâ, betonte die SPD-Fraktion. Die Aufstockung der Mittel fĂŒr den Wiederaufbau in Afghanistan begrĂŒĂten die Sozialdemokraten hingegen und erkundigten sich, ob die Mittel zusĂ€tzlich in den Haushalt eingestellt oder zu Lasten anderer PartnerlĂ€nder eingespart werden. Die Parlamentarische StaatssekretĂ€rin im Ministerium fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gudrun Kopp (FDP), versicherte im Ausschuss, es handle sich um zusĂ€tzliche Mittel.
Linksfraktion und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen kritisierten an den PlĂ€nen insbesondere die Konzentration auf die zivil-militĂ€rische Zusammenarbeit und die AnkĂŒndigung von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP), Nichtregierungsorganisationen, die vor Ort nicht mit der Bundeswehr zusammenarbeiten, finanziell nicht zu unterstĂŒtzen. Niebel mĂŒsse seine âDrohung zurĂŒcknehmenâ, forderten die GrĂŒnen. Es könne nicht Aufgabe der Entwicklungszusammenarbeit sein, durch zivilen Aufbau Lager der Bundeswehr zu schĂŒtzen. Entwicklungszusammenarbeit und MilitĂ€r mĂŒssten klar getrennt werden. Die Fraktion verlangte von der Bundesregierung zudem, ihre EinschĂ€tzung der Gesamtlage in Afghanistan vorzulegen, damit das Parlament darĂŒber diskutieren könne, welche MaĂnahmen tatsĂ€chlich ârichtig und wichtigâ seien.
Die Linke hĂ€lt die NeutralitĂ€t von Entwicklungszusammenarbeit und humanitĂ€rer Hilfe fĂŒr âmassiv gefĂ€hrdetâ. Die VerknĂŒpfung von zivilem Aufbau und militĂ€rischem Einsatz sei eine âfatale Entwicklungâ, die jedoch schon unter der rot-grĂŒnen Bundesregierung begonnen habe. Eine neue Strategie vermisste sie ebenso wie die SPD-Fraktion. Es wĂŒrden weiterhin mehr Soldaten nach Afghanistan geschickt, konstatierte Die Linke. Dies fĂŒhre zu âmehr Eskalation, anstatt zu Entmilitarisierungâ und damit zu âmehr Kriegâ. Die Bundesregierung solle aus Afghanistan abzuziehen und eine Friedensperspektive aufzeigen, forderte die Fraktion.
Die FDP-Fraktion bezeichnete das Konzept indes als âambitioniertâ. Es beinhalte die Chance, in Afghanistan ârichtig voranzukommenâ, auch weil der Schwerpunkt kĂŒnftig auf den zivilen Aufbau und die Ausbildung der afghanischen Polizei gesetzt werde. Die Fraktion wies aber auch auf das Problem hin, dass viele Polizisten nach ihrer Ausbildung zu Warlords oder anderen Gruppierungen ĂŒberlaufen wĂŒrden. Die Regierung Karsai habe daher auch die Aufgabe, die Einnahmen des afghanischen Staates zu erhöhen, um die Polizisten besser bezahlen zu können. Bisher habe Karsai jedoch ânoch viel zu wenig getanâ, um zum Beispiel Steuern effektiv einzusammeln.
Die Unionsfraktion lobte die Strategie der Bundesregierung insbesondere dafĂŒr, dass der Ansatz verbreitert und der Fokus in Zukunft unter anderem auf die Entwicklung des lĂ€ndlichen Raums gelegt werde. Nun mĂŒsse man dafĂŒr sorgen, dass die Mittel auch richtig eingesetzt werden. Kritisch wertete die Fraktion die öffentliche Debatte ĂŒber den Afghanistan-Einsatz. Sie habe sich in den vergangenen Wochen âverlorenâ und sei nur unter dem Aspekt gefĂŒhrt worden, wie viele Soldaten kĂŒnftig nach Afghanistan geschickt werden.